Geschichte

 

1.Tagebucheintrag
1.Reiseziel Deggendorf
2. Reiseziel Straubing
2.Tagebucheintrag
3. Reiseziel Regensburg
4.Reiseziel Weißenburg
5.Reiseziel Eichstätt
3. Tagebucheintrag
4. Tagebucheintrag
6. Reiseziel Augsburg
Epilog

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Prolog

„Endlich Sommerferien!“ Mit diesem Ausruf wirft Emilia ihre Schultasche in die Ecke des Hausflurs. Dann rennt sie in das Arbeitszimmer ihres Vaters Josefs, um ihn zu begrüßen. Er arbeitet im Römermuseum in Kraiburg. Der Archivar ist über alte Pergamentblätter gebeugt, nebenbei tippt er etwas in den Computer. „Hallo, Emilia. Ich bin noch beschäftigt, aber wenn du magst, kannst du mir helfen. Wir müssen das Archiv neu sortieren. Ich habe letzte Woche viele Dokumente bekommen, weil das Museum schließt. Die muss ich durchsehen.“ Emilia ist bereits auf dem Weg zum Archiv. Ihr Vater ist Archivar und sein Arbeitsplatz ist bei ihnen zu Hause. Dort gibt es immer sehr interessante alte Schriften und er erzählt ihr gerne spannende Geschichten darüber. Später will sie auch Archivarin werden.

Im Archiv angekommen entdeckt Emilia sofort die Dokumente. Es sind viele Pergamentblätter, die zusammengebunden sind und so eine Art Buch ergeben. Es ist noch sehr gut erhalten, doch Emilia weiß, dass sie vorsichtig sein muss. Mit äußerster Sorgfalt blättert sie in den Pergamenten. Die Schrift wirkt ein wenig unbeholfen, fast wie die eines Kindes. Es ist alles auf Latein, eine Sprache, die Emilia erst noch lernen würde. Doch dieses Buch interessiert sie besonders.

„Papa, kannst du mir das bitte übersetzten?“ Emilia hält ihrem Vater Josef die Pergamentseiten entgegen. Er sieht sie an. „Das sieht aus wie eine Art Tagebuch“, sagt er und überfliegt die Einträge. „Ja… von einem Jungen geschrieben, Justus. Er war Sohn eines römischen Beamten, der in der Provinz Raetia, also bei uns in Bayern, am Limes stationiert war. So beschreibt er es jedenfalls hier.“ Er blätterte weiter. „Und in diesem Eintrag berichtet er von einer Reise. Wahrscheinlich wurde sein Vater versetzt und seine Familie musste mit ihm ziehen, wie es damals üblich war.“ Er vertiefte sich  in das Tagebuch. Erst nach einer Weile redet er weiter.

„Dieser Junge ist sehr weit herumgekommen. Alle Kastelle, in denen er war, sind heute bekannt und archäologisch wertvoll, Deggendorf, Straubing, Regensburg, Weißenburg Eichstätt, sogar Augsburg. In allen Städten findet man heute noch Überreste von den Römern.“

Emilia wird ganz aufgeregt. „Können wir diese Reise nicht nachmachen? Bitte, das wäre doch was! Unser Reisemotto: Auf den Spuren der alten Römer in Ostbayern. Und ich würde sogar viel lernen. Bitte!“ Ihr Vater lachte. „Das ist eigentlich eine gute Idee. Ich wollte schon seit langem eine Reise zu den alten Römerkastellen unternehmen, um dort in verschiedenen Museen Nachforschungen zu bestimmten Schriften zu machen. Aber dazu müssen wir uns besser vorbereiten. Am besten, ich lese den ersten Eintrag des Tagebuches vor…“

1.Tagebucheintrag des Römerjungen Justus

Meine Reise fängt an, als mein Vater ins nächste, nördliche Kastell am Limes versetzt worden ist. Er ist ein wichtiger römischer Beamter und muss bei vielen Kastellen am Limes nach dem Rechten sehen und irgendetwas erledigen. Was genau, weiß ich nicht. Hier leben wir wie alle anderen in einer domus Italica. Besonders gut gefällt mir das Atrium, weil es mit Brunnen, Wandmalereien und Gartenbepflanzungen dekoriert ist…

Hier bricht Josef ab.  „Ich weiß, wo das ist. Wenn man davon ausgeht, dass er vorher im heutigen Kraiburg war, dann muss er jetzt nach Deggendorf reisen.“ Emilia ruft: „Dann fahren wir gleich morgen hin.“ „Gut. Dann bereite ich alles für die Reise vor“, antwortet der Vater. 

1. Reiseziel: Deggendorf

„Ich habe einen Bekannten, der in der Kreisarchäologie arbeitet. Mit ihm habe ich mich verabredet“, erklärt Emilias Vater Josef am nächsten Tag während der Autofahrt. Nach ca. 90 Minuten sind die beiden angekommen.

Der Archäologe Peter führt sie durch die Ausgrabungen. „Hier sind Überreste einer domus Italica. Letztes Jahr haben wir die Grundmauern ausgegraben.“ Er geht in die Mitte der Mauern. „Wo ich jetzt stehe, war früher das Atrium. Wir haben sogar Überreste von Wandmalereien gefunden.“ Sie gingen ein paar Schritte weiter.

 „Lebten alle Römer in solchen Häusern?“, fragt Emilia. Peter schüttelt den Kopf. „Es gab natürlich auch Villen und Paläste, aber die befanden sich vor allem in der Nähe der Stadt. In der Provinz Raetia werden wir keine finden. Ihren Lebensunterhalt verdienten die Bewohner vor allem mit Landwirtschaft. Weitere Berufe waren Schuhmacher, Gold- und Waffenschmiede und natürlich Söldner“.

Emilia bedankt sich für die interessante Führung. Sie hat viel gelernt und freut sich schon auf die Weiterreise.

Gleich am nächsten Tag brechen die beiden nach Straubing auf.

Link zur Seite :

http://reiniswelten.de/regensburg/dieroemerinregensburg/dieprovinzraetia/index.html 

Link zu einem Bild einer domus Italica:

http://agrega.juntadeandalucia.es/repositorio/22092011/3e/es-an_2011092213_9115354/ODE-2b61bb01-9e25-38a7-9635-8ace768ac291/estructura_domus.1.JPG

Weitere  Informationen zu einem Atrium:

https://de.wikipedia.org/wiki/Atrium_%28Architektur%29

 

2. Reiseziel: Straubing

Josef kümmert sich um eine Unterkunft und stattet einem Arbeitskollegen im Gäubodenmuseum einen Besuch ab. Emilia sitzt auf einer Parkbank. Sie will unbedingt wissen, wie es mit dem Tagebuch weitergeht. Ihr Vater hat bereits den zweiten Eintrag übersetzt, damit sie diesen selbst lesen kann. Aufgeregt beginnt Emilia zu lesen:

2.Tagebucheintrag des Römerjungen Justus

Eigentlich muss ich nicht in die Schule gehen, aber weil ich später Arzt werden will, gehe ich freiwillig. Der Lehrer kennt sich auch mit Heilkunde aus und will uns das beibringen. Mama findet, dass ich nicht in die Schule gehen muss, um etwas über das Heilen zu lernen. Sie sagt, dass ich selber schuld bin, wenn ich krank werde. Dann war ich nicht brav und die Götter haben mich bestraft. Wenn ich krank bin, muss ich zum Heilungsgott Asklepios beten.

 Aber ich habe keine Lust zu beten, ich will lieber mit Octavian spielen. Das ist mein bester Freund. Außerdem sagt der Lehrer in der Schule, dass Beten nicht hilft. Er vertraut auf Heilmittel aus Kräutern, wie zum Beispiel Salbei, Fenchel, Rosmarin und anderen Pflanzen. Daraus kann man Salben herstellen. Er hat sogar gesagt, dass Senf bei mehreren Krankheiten helfen kann.

Mein Vater findet es toll, dass ich in die Schule gehe. Er hat mir von anderen Schulen in Rom erzählt. Die nennt man Literatur- und Rhetorikschulen, welche sich aber nur reiche Familien leisten können. Man lernt dort viel mehr als nur Lesen, Schreiben und Rechnen. In der Literaturschule zum Beispiel liest man ganz viel. Vor allem Texte von Dichtern und Schriftstellern. Man lernt da sogar Griechisch und Grammatik. In der Rhetorikschule verfasst man eigene Aufsätze und lernt, wie man vor einer Menge spricht. Jeder Senator hat so eine Schule besucht!

Gerade ist mein Vater gekommen. Er hat seine Arbeit in diesem Kastell beendet und muss wieder ins nächste Kastell! Diesmal nach Castra Regina! Jetzt muss ich mich von Oktavian trennen. Vale! Wieso muss mein Vater auch immer herumziehen?!

 

In dem Moment kommt Josef. „Papa, was ist Castra Regina?“,  fragt Emilia. Er antwortet: „Das ist das größte Kastell am Limes; das heutige Regensburg.“

 

Link zum Schulsystemhttp://www.swisseduc.ch/altphilo/antike/realien/docs/roeschul.pdf

Link zum Gäubodenmuseum: www.gäubodenmuseum.de

3. Reiseziel:  Regensburg

Nach einer Stunde Fahrt stehen Emilia und Josef vor dem Nordtor des ehemaligen römischen Kastells, der einzige Überrest des Lagers. „Was ist das für ein Tor, vor dem wir gerade stehen Papa?“, will Emilia wissen. „Das? Das ist die Porta Praetoria, sie diente als Ausfalltor des Legionärslagers in Richtung Norden, also in Richtung ihrer Feinde. So hatten sie die Möglichkeit sich schnell zu verteidigen oder ihre Feinde anzugreifen“, gibt ihr Vater zurück. „Was ist eigentlich der Limes?“ Ihr Vater erklärt: „Das war vom ersten bis zum siebten Jahrhundert ein Begrenzungswall, der die römischen Gebiete von den anderen klar abgrenzte. Auch durch das heutige Deutschland verlief der Limes. Damals war er die Grenze der zwei Provinzen Raetia und Germania superior. Er war meistens befestigt, aber es gab auch den sogenannten ‚nassen Limes‘. Das war die Donau als natürliche Grenze. Er ging sogar teilweise durch die Wüste in manchen Gebieten Afrikas.

Der Limes diente aber keineswegs als Verteidigungsanlage, sondern man konnte durch die vielen Wachtürme erkennen, ob ein feindlicher Angriff bevorsteht und ein Signal an das nächstliegende Kastell senden. Viele Reste des Walls sind noch heute erhalten und  in Bayern gibt es sogar einen Radweg, der dort entlangführt.“ Emilia nickt. „Da müssen wir unbedingt mal entlang fahren. Papa, wie war das mit den Kastellen?“, fragt sie.

 „In den Kastellen lebten die Söldner als selbstständig operierende militärische Großverbände des Römischen Reichs. In den ganz großen Lagern lebten 3000 bis 6000 Soldaten für die schwere Infanterie. Das waren Soldaten, die zu Fuß kämpften. 120 Mann waren für die Legionsreiterei eingeteilt. Ein Söldner musste extrem flexibel sein. Er wurde oft versetzt.

Der Kaiser Augustus machte die Legion zu einer Berufsarmee. Vorher waren es Wehrpflichtige. Die Söldner in Raetia hatten meist kein römisches Bürgerrecht. Sie wurden an den Grenzen stationiert, um die germanischen Völker abzuwehren. Aber es kam auch vor, dass ein Kastell zerstört wurde.“

Link Regensburg: http://www.antikefan.de/staetten/deutschland/limes/regensburg/castra.html

Link zum Römerradweg: http://www.roemerradweg.info/roemerradweg-etappen/roemerradweg/ 

Emilia schaut ihren Vater mit großen Augen an; sie ist schon sehr beeindruckt von seinem Wissen. Jetzt aber muss sie das neu Erlernte erst einmal verarbeiten und merkt dabei, dass ihr Magen grummelt. „Papa, ich hab richtig Kohldampf. Da drüben gibt es Pizza, könnten wir nicht dort etwas essen?“, bittet Emilia höflich. „Gute Idee! Ich habe selbst großen Hunger!“, antwortet Josef.

4. Reiseziel: Weißenburg

Am nächsten Morgen fragt Emilia: „Können wir nicht mal einen Tag Pause machen? Es ist immer so heiß. Ich will ins Schwimmbad!“  Vater Josef lächelt verschmitzt: „Da weiß ich was. Unser Schwimmbad ist in Weißenburg. Da hat auch schon Justus gebadet.“ Emilia schaut ihren Vater verwundert an. So recht will sie ihm das nicht glauben.

Bald darauf stehen die beiden am Eingang der antiken Therme am westlichen Stadtrand von Weißenburg unweit des großen Römerkastells Biriciana. Sie buchen eine Führung bei Anna, einer Mitarbeiterin.

Emilia ist enttäuscht: „Aber Papa, du hast mir doch versprochen, richtig baden zu gehen!“

Josef lacht: „Wart` es ab.“

Anna erzählt: „1977 wurden massive Grundmauern einer großen Bäderanlage bei Baggerarbeiten für den Bau einer Reihenhäuserzeile gefunden. Die Fundamente und das Mauerwerk sind bis zu 2,5 Meter hoch und ausgezeichnet erhalten. Die Therme der griechisch-römischen Welt galt als ein Versammlungsort, an dem das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden wurde. So kamen bei Erholung, Sport und Spiel auch die leiblichen Genüsse wie Essen und Trinken nicht zu kurz. Ebenso geeignet war dieser Ort für den Austausch von Nachrichten und Meinungen. Bei den Weißenburger Thermen handelt es sich allem Anschein nach um ein vom Militär gebautes Zivilbad, also für die allgemeine Bevölkerung. Hier, vom Steg aus, können Sie Teile des früheren Gymnastikhofes mit Säulengang und die Reste einer späteren Sporthalle sehen. Dort, wo die Hypokaustenheizung, also die antike Fußbodenheizung, zu erkennen ist, waren die Räume beheizt. Bei den Ausgrabungen fand man zahlreiche Gegenstände, wie zum Beispiel Schmuck, Haarnadeln, kosmetische Geräte, Scherben von Ton- und Glasgefäßen, Spielsteine, etliche Münzen und vieles mehr.“

Link https://www.weissenburg.de/poi/roemische_thermen_weissenburg-1862/

Nach 90 Minuten ist die Führung zu Ende und Emilia reichlich erschöpft.

Josef nimmt seine Tochter an der Hand: „Anna hat mir einen Tipp gegeben: wenn man beim Baden römisches Feeling haben will, soll man in die Mogetissa-Therme gehen.“

Emilia jubelt: „Oh ja! Jetzt brauche ich nur noch einen römischen Bikini!“

Link: www.mogetissa-therme.de

Noch am Abend desselben Tages soll Josef auf Drängen seiner Tochter den nächsten Eintrag übersetzen. „Die nächste Station von Justus führt zu einer richtigen villa rustica. Die Ruinen sind heute noch erhalten, in Möckenlohe nahe Eichstätt. Soviel kann ich dir schon verraten. Da fahren wir sobald wie möglich hin.“ Voller Vorfreude schläft Emilia ein.

5. Reiseziel: Eichstätt

Emilia und Josef sitzen in einem Café in Eichstätt.  Emilia sitzt vor einem großen Eisbecher und liest den ganzen Tagebucheintrag.

3. Tagebucheintrag des Römers Justus

Meine Tante Perpetua lebt auf einem Gutshof. In der Nähe wird gebaut. Tante Perpetua sagt, dass damit mal die Versorgung für die Garnisonen besser laufen soll. Papas Onkel Felix hat mir die Ställe gezeigt,  daneben waren gleich die Schmiedewerkstatt und ein Keramikofen.

Emilia: „ Papa, wieso haben die auf dem Gutshof einen Keramikofen?“

Josef erklärt: „ Emilia, diese  `villae rusticae` wurden zur Versorgung der römischen Soldaten gebaut. Da ist es nur logisch, dass z.B. ein Schmied auf dem Gutshof wohnt. Außerdem war nicht auf jedem dieser Gutsbetriebe jedes Handwerk vertreten.  Deshalb fahren wir nach Möckenlohe, das ist hier ganz in der Nähe und besichtigen eine villa rustica im Originalzustand“

Emilia: „ Super! Bitte wieder weiterlesen!“

 

 „ Nachdem ich einmal um die villa rustica gegangen war (der Graben war genauso tief wie beim Limes) wurde zum Essen gerufen. Da wir kein Mittagessen hatten, hatte ich nach der langen Reise einen Bärenhunger und freute mich schon auf cena. Mama hat gesagt, dass Tante Perpetua den besten `puls` macht. Beim Essen versuchte ich also unauffällig so viel vom Brei zu essen, dass danach leider kein Platz mehr für Gemüse war. Ein kleines Stück Käse und ein Ei musste ich aber essen. Mama hat gesagt, es sei sonst unhöflich. Felix hat wegen uns sogar ein Schwein geschlachtet, obwohl wir Römer abends nur selten Fisch oder Fleisch essen. Ich verzichtete aber auf die Innereinen. Zum Trinken gab es für uns Kinder Wasser und für die Erwachsenen mulsum, von dem war besonders mein Vater sehr begeistert.“  

Emilia: „Halt. Stopp. Was ist denn ein puls? Und was ist mulsum? Ach und wieso freut er sich auf eine cena?

Josef: „Langsam! Also die Römer hatten wie wir drei Mahlzeiten am Tag. Das Frühstück  lentaculum. Hier gab es Milch, Obst, Fladen und manchmal auch einen Kräuterquark.“

Emilia: „ Also ganz ähnlich wie bei uns, nur gibt’s bei uns Brot und Semmeln.“

Josef: „Genau. Prandium ist das Mittagessen, was Justus hier nicht bekommen hat.  Anders  als bei uns ist, dass es bei Justus mittags nur kalte Speisen gab, z. B.  Brot mit Oliven, Nüssen, Feigen, Käse oder Pilzen.“

Emilia: „ Also war dieses prandium eher so ein Snack.“

Josef: „ So kann man es auch sagen, ja. Um deine Fragen zu beantworten: puls ist eine Art Getreidebrei, man kann es mit der heutigen polenta  vergleichen. Cena ist das Abendessen und die wichtigste Mahlzeit bei den Römern gewesen. Es gab meist mehrere Gänge und wie Justus geschrieben hat, sehr selten Fleisch oder Fisch – wobei Fisch in dieser Zeit teurer war als Fleisch. Ein bisschen abschreckend ist vielleicht, dass in der Antike Innereien als Delikatesse galten.“

Emilia: „Igitt!!! Und dieses mulsum? Ist das ein Cocktail oder sowas?“

Josef: „Nein, das ist ein Gemisch von Wein und Honig. Das Hauptgetränk neben Wasser und Wein.“

Emilia: „ Interessant. Und diese Sitten waren schon immer so? Immer das gleiche Essen?“

Josef: „Aber nein! Bei uns gibt es ja auch nicht jeden Tag das Gleiche. Durch die starke Ausdehnung des römischen Reiches veränderten sich die Sitten und Gebräuche. Die Römer waren ein Volk, das viele Traditionen der unterworfenen Völker übernahmen. Sie taten das wahrscheinlich deshalb, dass sich alle ein wenig wie zu Hause fühlten und es nirgendwo im Inneren des Reichs einen Aufstand gab.“

Emilia: „Dann musste Justus doch nicht jeden puls essen!

Der Eisbecher ist leer und Emilia drängt zur Fahrt nach Möckenlohe.

Link zur villa rustica:

http://www.roemervilla-moeckenlohe.de/

Link zu römischem Essen:

https://incipesapereaude.wordpress.com/2015/05/20/einleitung-romisches-essen-und-trinken/

 

Zwei Tage später:

„Papa, Papa! Bitte lies den nächsten Tagebucheintrag. Ich bin so gespannt, wohin unsere nächste Reise führt!“, bettelt Emilia ihren Vater an. „Na gut, ich mach ja schon.“, lacht Josef und beginnt den nächsten Abschnitt zu übersetzen.

 

4. Tagebucheintrag  des Römerjungen Justus

Wir müssen leider wieder weiterziehen… Aber da mein Papa schon lange im Dienst ist und immer viel arbeitet, wurde ihm versprochen, dass er jetzt nur noch nach Augusta Vindelicum aufsuchen muss, dann kommt ein anderer Beamter und löst ihn ab. Jupiter sei Dank! Dann kann ich mich endlich an einen Ort gewöhnen und Freunde finden. Mama und ich sind so erleichtert und froh. Papa hat mir erzählt, dass dieses Kastell eine große Stadt ist, in der es sogar ein richtiges Forum gibt – mit einem Theater und eine Thermenanlage. Ich will da unbedingt baden gehen, davon schwärmt sogar schon meine Mama…

 

„Wo ist Augusta Vindelicum? Können die nicht normale Namen benutzen, so wie wir? Dann wüsste ich wenigstens, wo das ist.“, brachte Emilia schnippisch vor.

 „Augusta Vindelicum ist das heutige Augsburg. Das ist ja perfekt! Dort habe ich einen Studienfreund, den ich schon längst einmal besuchen wollte. Er kann uns bestimmt einiges über die Römer in Augsburg berichten. Ich rufe ihn gleich mal an.“, freut sich Josef.

 

6. Reiseziel: Augsburg

Emilias Vater hatte sich mit seinem Freund Peter verabredet, der sie nun durch die Stadt führt. „Laut Dokumenten war Augsburg zur Zeit der Römer voll von Attraktivitäten wie Theatern, Tempelanlagen, Thermen und zahlreichen repräsentativen Verwaltungsbauten. Doch leider ist von alle dem nicht mehr viel erhalten, da man im Mittelalter zahlreiche Gebäude abgetragen hat, um an billiges Baumaterial zu kommen. Deswegen sind diese Bauten auch sehr schwer zu rekonstruieren. Dennoch gibt es sehr viel Fundstücke, die uns einen guten Eindruck vom Leben in Augusta Vindelicum vermitteln. Viele dieser Exponate liegen im römischen Museum, sowie auch der Siegesaltar, der nach einer gewonnen Schlacht, für die Göttin Victoria aufgestellt worden ist. Südlich von Augsburg, in Königsbrunn, hat man eine unterirdische Tempelanlage gefunden, die dem Mithraskult geweiht ist. Wenn man Tempel genauer betrachtet, erkennt man, dass immer eine bestimmte Bautechnik verwendet worden ist. Mithilfe des Betons wurde es möglich Bögen zu gießen und somit Gewölbe zu erschaffen, das entweder zu einem Tonnen- oder Kreuzgewölbe wurde. Auch der Bau von Säulen wurde zum Alltag. Zu neuern Bautypen gehören die Thermalanlagen. Über öffentliche Bäder wurde ein Kuppelbau errichtet, um den sich die Räume für kalte, heiße, lauwarme und auch für Dampfbäder befanden.

 Diese Bauwerke stellten hohe Ansprüche für die Architektur dar!“ „Wow! Solange gibt es schon Bäder?“, fragte Emilia staunend. „Ja! Aber damals war das noch etwas ganz Besonderes.“, erklärte ihr Peter, „Wenn du Lust hast und dein Papa es dir erlaubt, könnt ihr ja noch einen kleinen Abstecher nach Kempten machen, bevor es wieder nach Hause geht. Dort ist das größte zusammenhängende Grabungsgebiet Südbayern, wo du in einer kleinen Therme, wo du auch die römische Alltagskultur nachvollziehen kannst.“ „Au ja, Papa! Das will ich!“, jubelt Emilia.

Link Augsburg: http://www.lechrain-geschichte.de/HiO_Reg_AGS%20Augsburg-RoemCastelle.html

 

 

Epilog

Zwei Wochen vor Schulbeginn ist ihre Reise zu Ende.

Emilia ist ganz aufgeregt. „Ich hatte gar nicht gewusst, dass die Römer so weit gekommen sind!“

Ihr Vater lacht. „Das sind sie, und sie haben das Leben sehr beeinflusst. Sie haben im Prinzip die Zivilisation unter die Menschen gebracht.“

 Emilia nickt. „Die meisten Traditionen haben mir sehr gut gefallen. Aber bei einigen bin ich froh, dass ich damals nicht gelebt hab.“

Ihr Vater lacht. „Da hast du Recht. Jedenfalls war es sehr interessant, die Spuren der Römer in Bayern zu verfolgen.“